



Stuttgart, 30.01.2012. Die Große Tarifkommission der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) hat am vergangenen Freitag in Baden-Württemberg entschieden, in der anstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie und des Metallhandwerks 6,5 Prozent mehr Entgelt für zwölf Monate zu fordern. „Nach dem Reallohnverlust, den die Arbeitnehmer in den letzten Jahren hinnehmen mussten, ist es jetzt an der Zeit, einen finanziellen Ausgleich für sie zu schaffen“, fordert der tarifpolitische Sprecher und stellvertretende Bundesvorsitzende der CGM Detlef Lutz. Außerdem sollen in den Betrieben Work-Life-Balance-Maßnahmen eingeführt oder ausgebaut werden.
„Es ist uns ein großes Anliegen, das Arbeitsklima in den Betrieben zu verbessern“, ergänzt der CGM-Bundesvorsitzende Adalbert Ewen. Angesichts der ständig zunehmenden Leistungsverdichtung stelle sich zusätzlich zur Frage nach einer gerechten Entlohnung immer mehr die Frage, wie ein Berufsleben gesundheitlich und emotional bewältigt werden kann. Beim Bundesgewerkschaftstag Ende Oktober in Hannover hatte sich die CGM deshalb intensiv mit dem Thema Work-Life-Balance beschäftigt und sich mit der Notwendigkeit, eine „lebenslange Jobfitness“ zu erhalten, auseinandergesetzt. Wichtigste Voraussetzung hierfür ist ein gutes Betriebsklima. Deshalb wird die CGM bei ihren Verhandlungen mit den Arbeitgebern auch Aspekte ansprechen, die zu einem besseren Arbeitsklima beitragen können. „Durch den zunehmenden Leistungsdruck, auch bedingt durch Automatisierungsprozesse, nehmen Burn-Out-Syndrome und andere psychische Erkrankungen ständig zu“, konstatiert der CGM-Bundesvorsitzende. Die Gesundheit der Arbeitnehmer und ein gutes Betriebsklima seien daher Grundvoraussetzung für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Flexible Arbeitszeitmodelle gilt es zu entwickeln und aufzunehmen, auch um eine bessere Betreuung von Familienangehörigen sowie eine flexible Regelung zum Eintritt in den Ruhestand zu ermöglichen. „Die CGM hat mit ihrem Phönix-Tarifvertrag bereits 1996 die Weichen für flexible Arbeitszeiten gestellt, als andere noch stereotyp von der 35-Stunden-Woche gesprochen haben“, stellt Detlef Lutz klar.
Die CGM fordert außerdem von den Arbeitgebern, Auszubildende nach der Ausbildung grundsätzlich unbefristet zu übernehmen. Hat der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse an der Nichtübernahme oder an einer nur befristeten Übernahme, muss, so die Vorstellung der CGM, der Betriebsrat entscheiden. „Einen Freifahrschein für alle Auszubildenden, völlig unabhängig von der individuellen Leistung des Einzelnen, soll es jedoch auch in Zukunft nicht geben“, so Ewen abschließend.